Besondere Ereignisse während meiner Amtszeit in Komptendorf
(Quelle: Pfarrer Saretz)
Als ich im Jahre 1923 herkam, fand ich nur die aus dem Jahre 1542 stammende große Glocke vor. Ein Jahr später bestellt der Gemeindekirchenrat bei der Firma Stürmer in Erfurt 2 neue kleinere Glocken.
Trotzdem der Ton der alten Glocke aufgeteilt war, stimmten die neuen Glocken mit der alten nicht zusammen. Auf unsere Bitte hin untersuchte der Sachverständige für Kirchenglocken, Professor Biehle aus Bautzen, den Notstand mit einem besonderen Gerät und bestätigte die Berechtigung unseres Einspruches. Darauf mußte die Firma die Glocken noch einmal abholen und umgießen, und einige Zeit später hatten wir ein schönes harmonische Dreigeläut.
Wieder einmal war die große Kirche voll besetzt zum Fest der Glockenweihe. Beim “Heldengedenktag” 1923 hatte ich zum ersten Mal das Gotteshaus im wahrsten Sinne des Wortes brechend voll besetzt erlebt. Sämtliche Krieger- und andere Vereine waren mit Fahnen und Musik zur Kirche gekommen, so dass die Männer auf der obersten Empore sogar in dichten Reihen saßen bzw. standen.
Als ich die Kirche betrat, blieb mir schier der Atem weg, und ich konnte nur still beten, dass Gott, der Herr, uns vor einem schrecklichen Unglück bewahren möchte! Aber die Emporen hielten, und der Gottesdienst verlief trotz Überfülle in überraschender Würde und Stille.
Bei den mannigfachen späteren Feierlichkeiten hatte ich mich an solche beängstigende Fülle gewöhnt. Zwei Jahre später wurde beim Gefallenen- Gedenktag das erste farbige Kirchenfenster im Altarraum eingeweiht, und bald darauf stiftete der alte Kantor Skraback das zweite bunte Fenster. In dieser Zeit erhielt die Kirche auch die elektrische Beleuchtung.
Da das breite Gemälde über der Predella des Altars, das wahrscheinlich durch Kerzenruß und Staub in 350 Jahren fast schwan und unkenntlich geworden war, hat der Restaurator Wilhelm Krükger aus Berlin, der zufällig die Kirche besichtigte, großartig restauriert, so dass die leuchtenden Farben wieder herrlich hervorkamen mit der Inschrift des Stifters von Kottwitz und der Jahreszahl 1575.
Die aus dem Jahre 1811 stammende alte Orgel hatte wirklich ausgedient. Wenn Kantor Skraback die schadhaften Register zog, musste er dazu seine ganze Kraft aufwenden, so dass es durch die Kirche wie Böllerschüsse dröhnte.
Der Kostenanschlag der Firma Heinze-Sorau verlangte aber 11 000 Mark für eine neue Orgel. Dieser große Betrag kam wirklich zusammen; ca. 3000.- Reichsmark erbrachte eine Sammlung in den 10 Dörfern, den gleichen Betrag bezahlten nach langen Verhandlungen die fünf Kirchenpatrone. 2000.- Reichsmark kamen aus der Kirchkasse und den Rest spendete das Konsistorium.
Bei der damals doch schon sehr schwierigen wirtschaftlichen Lage nut ininier beängstigerem Steigen der Arbeitslosenziffer war diese Finanzierung der neuen Orgel ein wahres Wunder. Bei dem Einweihungsgottesdienst am 12. August 1928 war die Kirche wieder bis auf den letzten Platz besetzt, und Kantor Willi Schreiber aus Cottbus spielte zum ersten Mal die neue Orgel.Ich habe den Choral “Nun danket alle Gott” bis dahin noch niemals so gewaltig mit der vielstimmigen Orgel, den Posaunen aus Hornow und der dankbar jubelnden Gemeinde erklingen gehört! Bei der Kirchenmusik am selben Nachmittag beteiligte sich der gemischte Chor Komptendorf der Männergesangverein Trebendorf der Chor des evangelischen Jungmädchenbundes und der Chor der Lehrerarbeitsgemeinschaft neben einigen Solisten. Das war ein ganz großer Festtag!
Um 1930 wurde im Pfarrhaus eine elektrische Wasserversorgung mit Badezimmer eingerichtet. Und nach glücklicherweise kaltem Blitzschlag in den Turm wurde die Kirche mit einer Blitzschutzanlage versehen. Schon seit langer Zeit machte sich das Fehlen eines größeren Gemeinderaumes für Unterricht und kirchliche Veranstaltungen schmerzlich bemerkbar. Deshalb beschloß der GKR, die leerstehende Pfarrscheune zu einem Gemeindesaal umzubauen.
Am 13. März 1932 ist im Sonntagsblatt ein Aufruf veröffentlicht, in dem Handwerker und arbeitslose Jugendliche zur Ausführung dieses großen Bauvorhabens ermuntert wurden. Zur allgemeinen Freude gingen zahlreiche Meldungen ein. Eine Sammlung ergab in dieser Zeit höchster wirtschaftlicher Depression rund 1000.- Reichsmark. Den gleichen Berag wollte das Konsistorium als Beihilfe geben. Das Arbeitsamt erklärte sich bereit, für jeden arbeitslosen Jugendlichen täglich 2 Mark zu zahlen (!) und die Sozialversicherung zu übernehmen.
Am 3. Juli 1932 hat Superintendent Cordes aus Cottbus den praktisch ausgestatteten Gemeindesaal eingeweiht. Am Nachmittag fand eine fröhliche Nachfeier im Gutspark statt, an der sich mehrere Gesangvereine und der Hornower Posaunenchor beteiligten. Nun hatte die Gemeinde einen ausreichend großen Saal für die Abhaltung der Wintergottesdienste im geheizten Raum.
Auch konnten die jährlich 60-70 Konfirmanden auf den bequemen Bänken des für Unterrichtszwecke abgetrennten Raumes besser sitzen als in den engen Schulbänken. Auch die sonstigen kirchlichen Veranstaltungen fanden hier in einer weit günstigeren Atmosphäre statt. Bis zum heutigen Tage ist der Gemeindesaal für das kirchliche Leben unentbehrlich, sodass ich nur mit großer Dankbarkeit an die Planung und Ausführung dieses Projektes denken kann.
(Näheres über den Bau des Gemeindesaals ist aus den Sonntagsblättern des Jahrganges 1934 zu ersehen.)