Geschichte der Kirche zu Komptendorf
Die Entstehungsgeschichte der Komptendorfer Kirche hängt mit dem ehemaligen Cottbuser Franziskanerkloster zusammen. Es ist überliefert, daß der Abt des Klosters um das Jahr 1450 einigen Mönchen folgenden Auftrag erteilte:
Nachdem ihr bereits die Kirchengemeinden
in Madlow und Kahren gegründet habt,
marschiert ihr von dort weiter gen Süden
durch einen großen dichten Wald.
Vergeßt ja die Keulen nicht,
damit ihr euch die Wölfe vom Halse halten könnt.
Aber nach einigen Stunden wird der Wald lichter
und dann hört er bald ganz auf,
dann kommt ein Dorf – Komptendorf.
Die Grundsteinlegung für Kirchenschiff und Kirchturm wurde um das Jahr 1475 gelegt. Franziskanermönche erbauten sie dann bis zum Ende des 15. Jahrhundert aus Feldsteinen.
15 Jahre später, im Jahre 1490, wurde die Kirche geweiht. Etwa 100 Jahre später, um 1575, wurde sie um den Ostchor verlängert. Dessen viergeschossiger Backstein-Staffelgiebel ist durch Putzblenden reich gegliedert. Er bildet ein sehenswertes Zierwerk aus spätgotischer Zeit.
Der quadratische Turm entstand zusammen mit der Kirche, nur das obere Glockengeschoß mit dem Backstein-Zinnenkranz und dem gemauerten polygonen Spitzhelm stammt wohl erst aus der ersten Hälfte des 16. Jh. Die Fenster der Kirche wurden in der Barockzeit vergrößert. Die Kirche war bis in das Jahr 1560 eine Filialkirche der Kirchengemeinde Kahren.
Wenige Jahrzehnte nach der Reformation (1575) hat der damalige Kirchenpatron Günter von Kottwitz den Altar gestiftet. Er hat sich mit seiner Familie, vor dem Kreuz Christi knieend, auf der Predelle abmahlen lassen. Der unbekannt Künstler muß eine Ausbildung in der Wittenberger Schule Lucas Cranach des Älteren durchlaufen haben. Der Komptendorfer Altar ist damit nachweislich einer der ältesten evangelischen Altare im Land der Reformation.
Bedingt durch die Zunahme der Bevölkerungszahlen im ausgehenden Mittelalter mußte etwa 1640/50 eine Erweiterung der Kirche vorgenommen werden. Der abschließende Giebel ist einer der schönsten Renaissancegiebel in der Cottbuser Region.
Eine Besonderheit in der Kirche ist der Taufengel. Er soll um das Jahr 1665 von einem Laubsdorfer Gemeindemitglied gestiftet worden sein. Seine Funktion erfüllt der lebensgroße schwebende Taufengel, der eine Wasserschale hält, heute noch bei Tauffeiern.
Ebenfalls erwähnenswert ist, daß sich die hölzerne Kanzel aus dem Jahre 1698 in der Mitte des Kirchenschiffes befindet, also daß das Wort in der Mitte der Gemeinde verkündet wird.
Ein spitzbogiges gestuftes Portal führt in die Kirche. Im Inneren ist der Renaissance-Altaraufsatz aus Holz beachtenswert. Eine Inschrift datiert ihn in das Jahr 1575. Auf drei Gemälden, vermutlich durch die Cranachschule beeinflußt, sind übereinander das Abendmahl, die Auferstehung Christi und Gott Vater zu sehen. Sie sind von Verzierungen, Säulchen und vielen Engelsköpfen umgeben. Die Komptendorf Kirche ist eine der größten Dorfkirchen. Sie faßt ca. 1200 Sitzplätze.
1990 konnte der sehr stark beschädigte Kirchturm (am 20. Juli 1983 ist eine Zinne herabgestürzt) und im Jahre 1991 die gesamte Außenfassade restauriert werden. Im Haupteingang konnten in diesem Zusammenhang drei Rundfenster (Gott-Vater, Gott-Sohn, Gott-Geist) und zwei Spitzbogenfenster (Heilige Abendmahl, Lebensbaum) in Bleiverglasung neu gestaltet werden.
