Pfarrer & Kirchenmitglieder

Von Pfarrern und Kirchenmitgliedern in Komptendorf

(Quelle: Pfarrer Saretz)

Pfarrer Albin war 41 Jahre lang (1843 – 1884) in Komptendort während in den nächsten 50 Jahren 7 Pfarrer zum Teil sehr kurz aufeinander folgten. Das mag damit zu erklären sein, dass die Seelenzahl der Kirchengemeinde inzwischen durch das Anwachsen der Industriewerke auf ca. 3000 gestiegen war.

Das Pfarramt war wirklich nicht leicht zu verwalten wegen der weiten Entfernungen und weil inzwischen jedes Dorf einen eigenen Friedhof hatte. Außerdem mag ins Gewicht gefallen sein, dass die Pfarre nur 12 Morgen Land hatte. Pfarrer Albin wurde vom Komptendorfer Gut in einer geschlossenen Kutsche auf die Dörfer gebracht.

Da er die lange Tabakspfeife sehr liebte, pflegte er auch unterwegs gern zu rauchen. Wenn er dann nach langer Wagenfahrt vor dem Trauerhause ankam und die Tür aufmachte, kam zuerst nichts als Rauch aus der Kutsche heraus und dann erst allmählich der Pfarrer! In den späteren Jahren nahm Kantor Skraback den Pfarrer in seinem Korbwagen mit. Sein scheckiges Pferd hieß Benjamin und liebte ein gemütliches Tempo.
Wenn es im Sommer sehr heiß war, blieb Benjamin von selbst vor dem Gasthaus stehen und bekam dafür eine Flasche Bier in einer Schüssel serviert! Dieser stets hilfsbereite und treue Kantor hat in den ersten Jahren auch mich mit seinem Wagen auf die Dörfer gebracht.

Am Schluß jeder Beerdigung pflegte er sein Lieblingslied ‚Ach, Herr, laß Dein lieb Engelein……” mit sehr hohem Tenor singen zu lassen. Im Gottesdienst sang er von jedem Lied die erste Zeile solo.
Ich gedenke seiner in großer Dankbarkeit (gest. 11.3.1932, 80 Jahre alt).

  • Zur Zeit des Pfarrers Kockott (1890 – 1903) wurde das jetzige Pfarrhaus gebaut an Stelle des alten Fachwerkbaus.
  • Pfarrer Dr. Bronisch (1903 1907) hat die Frauenhilfe gegründet und in der Gemeinde mit sehr großem Eifer gewirkt.
  • Pfarrer Boese (1908 – 1915) war ein warmherziger Seelsorger und starb zum Leidwesen der großen Gemeinde ganz plötzlich.

Auch der alte treue Küster Matthes Vatter hat 50 Jahre lang seiner Heimatkirche gedient. Vor jeder Abendmahlsfeier sagte er- “Sind auch genug 0.-Blätter vorhanden?” Er hatte wohl bei manchen Gelegenheiten es peinlich empfunden, wenn Oblaten fehlten. Das konnte freilich passieren, denn bei den großen Abendmahlsfeiern in der Passionszeit und am Bußtag-Totensonntag pflegten jedesmal 500-600 Abendmahlsgäste zu kommen. Dazu mussten die vielen Krankenkommunionen in den 10 Dörfern besorgt werden.

Kein Wunder, dass ich schon nach dreimonatigem Dienst ernstlich erkrankte und über drei Monate aussetzen mußte. Als ich wegen meiner lahmen Hüfte bat, man möchte mich zu den weiten Beerdigungen mit einem Wagen abholen, schrieb mir ein anonymer Spaßvogel: “Der Herr Jesus ist immer zu Fuß gegangen auf seinen weiten Wegen und nur bei seinem Einzug in Jerusalem auf einem Esel geritten.”

Ich sollte mich doch auch so in dieser Welt behelfen! Da habe ich dankbar die Beihilfe des Kons storiums zur Anschaffung eines kleinen Autos angenommen.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>