Pfarrer Saretz erzählt

Pfarrer Saretz erzählt…

Der folgende Beitrag ist einem schriftlich niedergelegten Vortrag entnommen, den Ernst Saretz, Pfarrer in Komptendorf von 1923-34, am 24. Mai 1964 anläßlich des diamantenen Jubiläums der Frauenhilfe hier in Komptendorf gehalten hat.

Ein witziger Geschichtsschreiber erzählte mir:

Der Abt des Cottbuser Klosters gab einigen Mönchen eines Tages so um das Jahr 1450 den Befehl:

“Nachdem ihr bereits vor über 100 Jahren die Kirchengemeinden in Madlow und in Kahren gegründet habt, marschiert von dort aus weiter gen Süden durch einen großen und dichten Wald. Vergesst ja die Keule nicht, damit ihr euch die Wölfe vom Halse halten könnt! Aber nach einigen Stunden wird der Wald lichter, und dann hört er bald ganz auf, und passt auf, dann kommt ein Dorf” Wie konnte dieses Dorf anders heißen als “Komptendorf’?!

Und das soll nach den Angaben in den dicken alten Geschichtsbüchern um das Jahr 1475 gewesen sein, als die Vorfahren unter Anleitung der Mönche hier die erste Kirche gebaut haben.

Einen eigenen Priester bekam Komptendorf noch nicht, sondern es blieb noch Filialkirche von Kahren. Aber seit 1569 ist Komptendorf eine selbstständige Pfarre. Dadurch wurde gewiss das Verantwortungsgefühl gestärkt, so dass das damals noch kleine Kirchengebäude nach Osten zu erweitert worden ist.

Bei dieser Gelegenheit hat der damalige Kirchenpatron von Kottwitz den neuen Altar gestiftet und sich mit seiner Familie vor dem Kreuz des Herrn Christus knieend darauf abmalen lassen, mit der noch heute gut leserlichen Jahreszahl 1575. Der neue Ostgiebel wurde mit schönen Verzierungen versehen.

Wenige Jahrzehnte vor dieser Vergrößerung der Kirche wird man auch mit dem Turmbau begonnen und diesen mit dem schönen Wehrkreuz und der hohen Spitze abgeschlossen haben. Und dabei wird man auch an den Guss der ersten Glocke herangegangen sein. Inzwischen aber war in unserer Heimat etwas Wichtiges passiert, nämlich die Reformation. Im Jahre 1536 hatte der Kurfürst Joachim die Einführung der neuen Lehre Dr. Martin Luthers erlaubt, so dass in Komptendorf der Übergang zum eyangelischen Glauben so um das Jahr 1542 erfolgt sein kann.

Und da die alte Glocke außer dieser Jahreszahl auch noch die ganz evangelisch anmutende Inschrift aufweist “Gotts Werk bleibt ewik stehn, sagt der Prophet Jesaja” sollte man diese Glocke mit gutem Recht die Komptendorfer Reformationsglocke nennen. Die große Glocke trägt die Jahreszahl 1542.

Die zur Kirchengemeinde gehörenden 9 Dörfer (Roggosen war bis 1863 nach Madlow eingepfarrt) mögen damals noch sehr klein gewesen sein bzw. im 3Ojährigen Krieg durch die Pest und die mannigfachen Schreckendes langen Krieges wieder sehr klein geworden sein. So hat Kahsel nach diesem Kriege nur 11 Einwohner gehabt!

Aber am Sonntag waren eben alle Gemeindemitglieder in der Kirche, so dass der Anbau schon vor 400 Jahren für die ganze Gemeinde notwendig geworden war. Durch die mit der Industrialisierung überall anwachsende Zahl der Einwohner mussten später noch die beiden großen Emporen eingebaut werden, so dass die Kirche heute mehr als 1000 Plätze hat.
Dass die im Kirchenschiff gelegenen Sitzbänke durchweg auf die Kanzel ausgerichtet sind, ist ein typisch evangelisches Kennzeichen, denn durch die Reformation war anstelle des Altar-Kultus die Predigt in den Mittelpunkt des Gottesdienstes gerückt.

Bis vor 100 Jahren wurden sämtliche Verstorbenen der eingepfarrten Dörfer auch auf dem rings um die Kirche gelegenen Friedhof in Komptendorf beigesetzt. Dadurch ist das Erdreich um das Gotteshaus herum angehoben worden, sodass man heute beim Eingang durch die Tür an der Nordseite auf 2 Stufen in die Kirche hinabsteigen muss.
Die Pfarrer wurden bekanntlich früher durch die eingehenden Pächte und Opfer sowie durch Naturalabgaben der Gemeindetnitglieder bezahlt. Noch zu Pfarrer Albins Zeit (1833 1884) war auch eine Flachsabgabe erforderlich. Diese meist nicht sehr großen Bündel wurden von den unten sitzenden Frauen an jedem Michaelis-Tage mit zum Gottesdienst gebracht und während des Singens der Choräle den Kirchenältesten in ihre um die Schultern gehängten weißen Tragetücher gelegt bzw. geworfen. Wenn nun aber an diesem Festtage mehrere Frauen an diesem Gottesdienstbesuch verhindert waren, dann mussten die Männer die Flachsabgabe mitnehmen, und diese saßen durchweg auf den Emporen. Da mussten dann die Ältesten ihre Tragetücher weit aufhalten, wenn die Bündel von den Emporen herniedersausten.

Das soll weder den Pfarrer noch die Gemeinde gestört haben. Es muss jedenfalls eine eigenartige Demonstration des Bibelspruches gewesen sein: “Alle gute Gabe kommt von obern herab….” (Jakobus 1, Vers 17.)!!

 

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